Der DVNW-Neujahrsempfang 2026 – Auftakt in ein spannendes Jahr

Mit dem Neujahrsempfang 2026 hat das Deutsche Vergabenetzwerk (DVNW) erneut einen festlichen Rahmen für Austausch, Impulse und den Blick in die Zukunft geboten. In persönlicher Atmosphäre kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um über die Rolle von öffentlicher Beschaffung und Vergaberecht in bewegten Zeiten zu sprechen.

Eine Zeit geprägt von anstehenden Veränderungen

2025 wird zweifellos ein Jahr der Veränderungen. Ein mögliches Vergabetransformationsgesetz ist seit einiger Zeit in Arbeit, eine neue Regierung wird bald die Geschicke des Landes lenken, und es ist unklar, welche Weichen für das Vergaberecht und die öffentliche Beschaffung gestellt werden. Auch die Europäische Union hat sich Reformen im Bereich der Vergabe vorgenommen. Wie genau all diese anstehenden Veränderungen aussehen werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Die kommenden Monate bringen Bewegung in diverse Felder – und das DVNW wird diesen Prozess aktiv begleiten.

Beschaffung als Schaltstelle staatlicher Handlungsfähigkeit

Der Abend startete mit einem Appell: Gastgeber Marco Junk, Gründer und Geschäftsführer des DVNW, mahnte in seiner Begrüßungsrede, dass es angesichts eines Allzeitrekords an Steuereinnahmen bei gleichzeitig der größten Neuverschuldung seit 1949 nicht hinnehmbar sei, dass ausgerechnet bei Personal und Fortbildung im Bereich der öffentlichen Beschaffung gespart werde, wie dem DVNW zahlreich berichtet wurde. Wenn der Zuwachs an öffentlichen Finanzmitteln vergleich dem Mehr an „Hub“ eines Motors sei, so Junk, dann sei die Beschaffung die Kurbelwelle, die diese Kraft in Drehmoment verwandelt: „Wir werden auch in 2026 nicht müde werden, auf die Bedeutung der öffentlichen Beschaffung und Beschaffungsverantwortlichen hinzuweisen“, erklärte Junk.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde immer wieder deutlich, welche Schlüsselrolle der öffentlichen Beschaffung zukommt: Sie entscheidet maßgeblich darüber, ob Innovationen Wirkung entfalten und Transformationsprozesse tatsächlich vorankommen. Wo sie stockt, bleibt auch staatliches Handeln begrenzt, wo sie strategisch eingesetzt wird, stärkt sie die Handlungsfähigkeit des Staates erheblich.

Einen zentralen inhaltlichen Akzent setzte Felix Zimmermann, Chief Procurement Officer und Referatsleiter DS II 2 im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS). Seine Impulse machten deutlich, wie sehr sich die Rahmenbedingungen öffentlicher Beschaffung verändert haben:

  • High-Risk Suppliers sind längst keine Ausnahme mehr, sondern Teil der neuen Realität mit unmittelbaren Folgen für Risikomanagement und Vergabestrategien.
  • Künstliche Intelligenz im Procurement eröffnet enorme Möglichkeiten, verlangt aber einen bewussten, verantwortungsvollen Einsatz statt blinder Automatisierung.
  • Mit Blick auf § 128 Abs. 2 GWB wurde digitale Souveränität als strategische Leitplanke adressiert: Noch im Entwurfsstadium, aber mit klarer Signalwirkung. Wirtschaftlichkeit allein reicht künftig nicht mehr aus, auch Versorgungssicherheit und strategische Abhängigkeiten müssen berücksichtigt werden

Der Tenor: Beschaffung wird politischer, strategischer und damit auch anspruchsvoller.

Tempo, Rechtsschutz und föderale Realität

Einen weiteren Blickwinkel brachte Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, ein. Er lenkte den Fokus auf Effizienz, Verantwortung im Umgang mit öffentlichen Mitteln und die Frage, wie viel Komplexität sich der Staat noch leisten kann – oder will. Dabei wurde deutlich, dass sich die öffentliche Beschaffung aktuell in einem Spannungsfeld bewegt:

Zwischen Beschleunigungsforderungen, rechtlicher Absicherung und föderaler Vielfalt mit unterschiedlichen Schwellenwerten, Zuständigkeiten und Sonderregelungen.
Die oft zitierte Zahl von durchschnittlich 54 Wochen für eine Vergabe stand sinnbildlich für den Reformdruck und für die Erkenntnis, dass reine Verfahrensoptimierung nicht ausreicht.

Ein gelungener Auftakt ins neue Jahr

Neben den inhaltlichen Impulsen bot der Abend vor allem eines: Raum für Austausch in einem festlichen Rahmen. Vertraute Gesichter trafen auf neue Perspektiven, Gespräche aus dem vergangenen Jahr wurden weitergeführt und neue Kontakte geknüpft. Genau diese Mischung aus fachlicher Tiefe und persönlicher Begegnung macht den Neujahrsempfang des DVNW seit Jahren aus.

Mit diesem Auftakt geht das Deutsche Vergabenetzwerk zusammen mit seinen Mitgliedern in ein spannendes Jahr 2026 – stehts diskussionsfreudig und mit dem gemeinsamen Willen, gute Ideen in die Praxis zu bringen.


Noch kein Mitglied im Netzwerk? Dann melden Sie sich jetzt hier an. Die Mitgliedschaft ist kostenlos.