Der DVNW Dialogkreis IT traf sich in Hamburg

Der Dialogkreis IT des Deutsches Vergabenetzwerk (DVNW) ist erneut zu einem intensiven fachlichen Austausch zusammengekommen. Gastgeber der aktuellen Sitzung war Dataport AöR im Hanse Center in Hamburg. Die Veranstaltung verdeutlichte einmal mehr, wie wichtig ein kontinuierlicher, interdisziplinärer Dialog für die strategische Weiterentwicklung der öffentlichen IT-Beschaffung ist.
Der Dialogkreis IT bringt regelmäßig Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Hand, IT-Anbietende, Beratungsunternehmen sowie Wissenschaft zusammen. Anders als bei der Betrachtung einzelner Vergabeverfahren steht hier nicht der konkrete Prozess im Vordergrund. Vielmehr widmet sich der Kreis den vorgelagerten, strukturellen und strategischen Fragestellungen, die darüber entscheiden, wie öffentliche IT-Beschaffung langfristig rechtssicher, effizient und innovationsfreundlich gestaltet werden kann. Gerade diese Mischung unterschiedlicher Perspektiven sorgt für eine besondere inhaltliche Tiefe und Offenheit in den Diskussionen.
Im Mittelpunkt der aktuellen Sitzung stand die Frage, wie Vergabe im digitalen Umfeld zukunftsfest ausgestaltet werden kann. Dabei wurde insbesondere die Rolle öffentlich-rechtlicher IT-Dienstleistender beleuchtet. Kooperative Leistungsmodelle, gemeinsame Infrastrukturen und Formen interkommunaler Zusammenarbeit gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie können dazu beitragen, Skaleneffekte zu nutzen, Abhängigkeiten zu reduzieren und digitale Souveränität zu stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem verantwortungsvollen und praxisnahen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Diskutiert wurde sowohl die Beschaffung entsprechender KI-Lösungen als auch der Einsatz von KI zur Unterstützung von Vergabeverfahren selbst. Dabei stellen sich neue Fragen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und rechtliche Einordnung. Zugleich bietet KI das Potenzial, Prozesse zu beschleunigen, Daten besser auszuwerten und Ressourcen effizienter einzusetzen. Entscheidend ist jedoch, dass technologische Innovation stets im Einklang mit vergaberechtlichen Grundsätzen und rechtsstaatlichen Anforderungen steht.
Darüber hinaus wurden aktuelle rechtliche und strukturelle Veränderungen thematisiert, die den Handlungsspielraum öffentlicher Auftraggebender spürbar verändern. Die fortschreitende Digitalisierung, steigende Anforderungen an IT-Sicherheit sowie der Anspruch auf digitale Souveränität erfordern eine strategisch ausgerichtete Beschaffung. Vergabe wird dabei nicht nur als formales Verfahren verstanden, sondern als zentrales Steuerungsinstrument für einen leistungsfähigen digitalen Staat.
Besonders prägend war erneut der offene und konstruktive Austausch. Unterschiedliche Sichtweisen wurden nicht nur nebeneinandergestellt, sondern produktiv miteinander verknüpft. Seit seiner Initiierung im Juni 2023 hat sich der Dialogkreis IT als Impulsgeber etabliert. Er trägt zur Entwicklung von Leitfäden und Handlungsempfehlungen bei und stärkt zugleich die Vernetzung zwischen Beschafferinnen und Beschaffern, Anbietenden sowie Beratungspartnerinnen und -partnern.
Auch die 63. Sitzung hat eindrucksvoll gezeigt, dass Digitalisierung, Souveränität und Rechtssicherheit nur im Zusammenspiel gedacht werden können. Die öffentliche IT-Beschaffung steht vor komplexen Herausforderungen – und zugleich vor großen Chancen. Der Dialogkreis IT bietet hierfür einen wichtigen Raum für Austausch, Orientierung und gemeinsame Weiterentwicklung.
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