EU setzt auf europäische Cloud-Anbieter: 180 Mio. EUR für digitale Souveränität
Die Europäische Kommission treibt den Aufbau digitaler Souveränität weiter voran und vergibt einen großvolumigen Auftrag für Cloud-Dienste – mit klarem Fokus auf europäische Anbieter. Vier Unternehmen beziehungsweise Konsortien haben den Zuschlag erhalten und sollen in den kommenden sechs Jahren entsprechende Leistungen für EU-Institutionen bereitstellen.
Für diesen Zeitraum sind bis zu 180 Millionen Euro eingeplant. Zum Vergleich: In der Schweiz wird die geplante Swiss Government Cloud (SGC) derzeit mit rund 320 Millionen Franken bis 2032 veranschlagt.
Ausgewählt wurden unter anderem Scaleway sowie Stackit. Hinzu kommen zwei Konsortien: Zum einen das Konsortium „Deep“ unter Führung der Post Luxembourg Group gemeinsam mit OVHcloud und Clever Cloud. Zum anderen ein Verbund rund um Proximus mit Partnern wie S3NS, Thales, Google Cloud sowie den Unternehmen Clarence und Mistral.
Bemerkenswert ist die klare Entscheidung für einen Multi-Provider-Ansatz. Die EU zielt darauf ab, Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu reduzieren und gleichzeitig Resilienz sowie Wettbewerb zu stärken.
Die beteiligten Konsortien betonen entsprechend die Verbindung von technologischer Leistungsfähigkeit und strategischer Kontrolle. Vor dem Hintergrund wachsender Abhängigkeiten von außereuropäischen Hyperscalern ist dies ein bewusst gesetztes industriepolitisches Signal.
Mit der Vergabe setzt die EU ein deutliches Zeichen: Digitale Souveränität soll nicht nur politisch formuliert, sondern operativ umgesetzt werden. Der Fokus auf europäische Anbieter, kombiniert mit einem Multi-Provider-Modell und strengen Anforderungen, zeigt einen strukturierten Ansatz zur Stärkung technologischer Unabhängigkeit.
Ob sich diese Strategie langfristig auch wirtschaftlich und operativ bewährt, bleibt abzuwarten – insbesondere im Wettbewerb mit globalen Cloud-Anbietern.
Quellen: EU Kommission, cloudcomputing-insider.de/, inside-it.ch/
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