EU Paket: Technologische Souveränität zur Stärkung der digitalen Autonomie und Resilienz Europas

Die Europäische Kommission hat Anfang Juni das Paket zur technologischen Souveränität Europas vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung der Kapazitäten Europas in den Bereichen Halbleiter, künstliche Intelligenz (KI), Cloud und Open Source.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte:

„Wir können es uns nicht leisten, bei den Technologien, die den Betrieb unserer Krankenhäuser, die Stabilität unserer Energienetze und die Sicherheit unserer Dienste gewährleisten, von anderen abhängig zu sein. Es geht darum, unsere Bürgerinnen und Bürger zu schützen, unsere Interessen zu verteidigen und unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Europa hat die Talente, die Exzellenz in der Forschung, die industrielle Basis und den Binnenmarkt. Gemeinsam müssen wir diese Stärken in technologische Souveränität umwandeln.“

Das Paket umfasst zwei Gesetzgebungsvorschläge – die Chip-Verordnung 2.0 und die Verordnung zur Cloud- und KI-Entwicklung – sowie die Open-Source-Strategie und einen Strategischen Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiebereich.

Zusammen unterstützen diese Maßnahmen das Bestreben Europas, ein KI-Kontinent zu werden, stärken seine digitale Autonomie und tragen zum Aufbau einer nachhaltigeren digitalen Zukunft bei. Sie werden helfen, die Auswahl an Kerntechnologien für die Unternehmen, die Bürgerinnen und Bürger und die öffentliche Verwaltungen in der EU zu erweitern.

Grund für diesen Schritt ist die Tatsache, dass Europa bei den wichtigsten digitalen Technologien nach wie vor stark von Anbietern aus Ländern außerhalb der Europäischen Union abhängig ist und die Nachfrage nach Rechenkapazitäten mit der Verbreitung von KI rasant zunimmt. Er soll strukturelle Abhängigkeiten verringern und gewährleisten, dass Europa die Technologien entwickeln, einsetzen und sichern kann, auf die sich die Europäerinnen und Europäer verlassen. Er markiert einen grundlegenden Wandel in der Herangehensweise der EU an Technologie.

Sicherung der Halbleiterbasis für die KI-Bestrebungen Europas

Halbleiter sind für KI und für andere Technologien, die die Europäerinnen und Europäer tagtäglich nutzen, unerlässlich.

Das Chip-Gesetz, das seit 2023 in Kraft ist, war die erste Reaktion der EU auf kritische Schwachstellen in der globalen Halbleiter-Lieferkette. Wenn es um fortgeschrittene Produktionsanlagen und um Chip-Entwurf geht, ist Europa ist jedoch nach wie vor stark von Drittländern abhängig. KI-gestützte Komponenten werden voraussichtlich das künftige Wachstum ankurbeln und dürften bis 2030 mehr als 70 % des Halbleitermarktes ausmachen.

Ausgehend von den Stärken Europas, auch bei handelsüblichen Chips, wird die Chip-Verordnung 2.0 neue Kapazitäten im Bereich der hochmodernen Halbleitertechnik für KI-Anwendungen aufbauen helfen.

Auf ihrer Grundlage werden Genehmigungsverfahren beschleunigt, die Zusammenarbeit mit gleich gesinnten Partnern vertieft und ein neues Exzellenzsiegel für europäische Halbleiterregionen eingeführt. Darüber hinaus wird sie mithilfe eines Ökosystemansatzes die europäischen Chiphersteller ihren Kunden näherbringen und auf der Nachfrage von Wachstumssektoren wie Rechenzentren, Cloud-Anbietern und KI-Gigafabriken aufbauen. Schließlich wird sie Investitionen und strategische Projekte unterstützen und gleichzeitig Schwachstellen beseitigen helfen, die die Versorgung gefährden könnten.

Aufbau der Cloud- und KI-Kapazitäten in Europa

Die Verordnung zur Cloud- und KI-Entwicklung ist ein zentraler Bestandteil des Aktionsplans der Kommission für den KI-Kontinent. Ziel ist es, die Kapazitäten der Rechenzentren in Europa in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen und die Rolle der Strategie „KI anwenden“ zu stärken, um die praktische KI-Einführung zu voranzutreiben.

Die Verordnung wird die Forschung und Innovation im Bereich modernster und nachhaltiger Technologien unterstützen und gleichzeitig ein Gleichgewicht zwischen den KI-Zielen und den Klimaschutzverpflichtungen herstellen. Sie wird die Bedingungen für die Errichtung von Rechenzentren in der gesamten EU straffen, wobei der Schwerpunkt auf höchst nachhaltigen und innovativen Einrichtungen in der Größenordnung liegen wird, die für den grünen und den digitalen Wandel erforderlich ist. Außerdem wird ein einheitlicher EU-weiter Rahmen zur Bewertung der Souveränität in den Bereichen Cloud und KI eingeführt. Dabei wird aber der Großteil unseres Marktes für gleich gesinnte Partner offen bleiben.

Dies wird dazu beitragen, kritische Anwendungen und sensible Daten zu schützen und die Entwicklung und Einführung fortschrittlicher Cloud- und KI-Technologien zu unterstützen. Die Verordnung wird ferner ein besser koordiniertes Vorgehen bei der KI-Einführung in den Mitgliedstaaten unterstützen, unter anderem durch die KI-Erfahrungs- und -Beschleunigungszentren, die als lokale Anlaufstellen zur Unterstützung der KI-Integration und -Skalierung fungieren sollen.

Stärkung der digitalen Autonomie durch Open Source

In Europa gibt es mehr als drei Millionen Menschen, die zu Open-Source-Lösungen beitragen. Sie liefern quelloffene digitale Lösungen, die auf der Grundlage europäischer Grundsätze und Werte in Europa für Europa entwickelt wurden.

Die Open-Source-Strategie baut auf dieser Stärke auf, um souveränere Lösungen zu entwickeln und anzubieten. Mit ihr werden quelloffene Alternativen in vorrangigen Bereichen wie Cloud, KI, Internettechnik, Cybersicherheit und Halbleiter ausgebaut. Sie wird auch ein stärkeres Open-Source-Ökosystem fördern, indem in Kompetenzen investiert wird und quelloffene Start-up-Unternehmen unterstützt sowie die langfristige Pflege und Sicherheit der quelloffenen digitalen Infrastruktur Europas verbessert werden.

Darüber hinaus wird die Strategie eine stärkere Nutzung quelloffener Lösungen in öffentlichen Verwaltungen durch Leitlinien für die Auftragsvergabe und bewährte Verfahren in der Praxis vorantreiben. Sie wird die Übernahme europäischer Lösungen fördern und die Normung und Interoperabilität unterstützen, unter anderem durch Initiativen wie den „Open Internet Stack“.

Digitalisierung des europäischen Energiesystems bei gleichzeitiger Gewährleistung einer nachhaltigen Digitalisierung

Die Digitalisierung des europäischen Energiesektors ist dringlicher denn je, denn hohe Energiepreise belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und schmälern die Kaufkraft der Haushalte. Gleichzeitig wird das Wachstum der digitalen Infrastruktur auf unserem Kontinent voraussichtlich die Stromnachfrage erhöhen. Der Strategische Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiesektor befasst sich mit beiden Aspekten und legt dar, wie KI und andere digitale Lösungen die nachhaltige Integration der digitalen Infrastruktur in unser Energiesystem sicherstellen und gleichzeitig dazu beitragen können, das europäische Energiesystem effizienter zu machen.

Mit diesem Fahrplan wird dafür gesorgt, dass Rechenzentren auf nachhaltige und transparente Weise in unser Energiesystem integriert werden. Die Kommission wird die Zusammenarbeit zwischen dem Energie- und dem Digitalsektor erleichtern, um ihre effiziente Netzintegration sowie die notwendige Versorgung mit sauberer Energie zu gewährleisten und gleichzeitig die Wasser- und Energieressourcen zu schützen.

Dieser Fahrplan wird auch die Einführung von digitalen und KI-Lösungen beschleunigen, um die Strominfrastruktur in Europa zu verbessern und intelligenter zu gestalten, und gleichzeitig eine schnellere Einführung intelligenter Zähler unterstützen, denn diese sind unverzichtbar, um den europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Kontrolle über ihren Energieverbrauch zu geben und letztlich die Energiekosten zu senken.

Darüber hinaus wird er dazu beitragen, souveräne und sichere KI-Modelle für den Energiesektor zu entwickeln, die mit europäischen Daten trainiert und von europäischen Unternehmen entwickelt werden. Durch die Vereinfachung des grenzüberschreitenden Austauschs von Energiedaten wird der Fahrplan auch die Einführung intelligenter Energiedienstleistungen und eine größere Flexibilität gewährleisten, was Millionen von Menschen in ganz Europa Einsparungen bringen kann.

Nächste Schritte

Vor der Annahme und dem Inkrafttreten werden das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union nun über diese Gesetzgebungsvorschläge verhandeln.

Die Kommission wird ihre Arbeit fortsetzen, um Europa zu einem KI-Kontinent zu machen, und wird voraussichtlich im Juli eine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für KI-Gigafabriken veröffentlichen, nachdem der Verwaltungsrat des Gemeinsamen Unternehmens für europäisches Hochleistungsrechnen am 1. Juni eine grundsätzliche Einigung erzielt hat.

Die Kommission wird außerdem eine Konsultation der Mitgliedstaaten, der Europäischen Investitionsbank-Gruppe und anderer wichtiger Interessenträgern einleiten, um eine europäische Eigenkapitalkapazität in großem Maßstab zur Finanzierung der Ziele Europas im Bereich der technologischen Souveränität zu schaffen.

Hintergrund

Der Aktionsplan der Kommission für den KI-Kontinent bringt Europa in Stellung, um es zu einem KI-Kontinent zu machen. Der Schwerpunkt wird dabei auf der Förderung von Recheninfrastrukturen, Daten, Kompetenzen und der KI-Einführung in Europa liegen.

Das Paket zur technologischen Souveränität wird die Durchführung dieser Maßnahme beschleunigen und ein Zeichen für einen neuen Ansatz für Europa setzen. Es baut auch auf bestehenden Initiativen wie dem Kompass für Wettbewerbsfähigkeit und der Strategie für wirtschaftliche Sicherheit auf und ergänzt diese.

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Quelle: EU Kommission