Europäische Verteidigungsindustrie: EU Rat bestimmt die ersten fünf Vorhaben von gemeinsamem Interesse
Der Rat der EU hat fünf europäische Verteidigungsvorhaben von gemeinsamem Interesse (European Defence Projects of Common Interest – EDPCIs) gebilligt, mit denen die Verteidigungsbereitschaft und die industriellen Kapazitäten Europas gestärkt werden sollen. Die Vorhaben werden europäische Länder zusammenbringen, um kritische Fähigkeiten in den Bereichen Drohnen und Drohnenabwehrsysteme, See- und Meeresbodenverteidigung, Weltraumabwehr, Luft- und Raketenabwehr sowie Schutz der östlichen Flanke Europas zu entwickeln.
EDPCIs wurden im Rahmen des Programms für die europäische Verteidigungsindustrie (European Defence Industry Programme – EDIP) eingeführt, das 2025 von der EU angenommen wurde. Es sind kooperative Industrieprojekte, die zur Entwicklung militärischer Fähigkeiten der Mitgliedstaaten beitragen sollen, die für die Sicherheits- und Verteidigungsinteressen der Union von entscheidender Bedeutung sind. Über die Vorhaben können EU-Länder bei großen Verteidigungsinitiativen zusammenarbeiten, die zu groß oder zu komplex sind, als dass einzelne Länder sie alleine entwickeln könnten.
Den fünf ausgewählten Vorhaben können nun über EDIP EU-Mittel zugewiesen werden. Die Mittel werden die Einleitung der Vorhaben ermöglichen und die Grundlage für eine mögliche weitere Finanzierung über den künftigen Europäischen Fonds für Wettbewerbsfähigkeit schaffen.
Diese EDPCIs wurden ausgewählt:
- DronE and Counter Drone European Resolve (DECODER): Dieses Vorhaben wird europäische Länder dabei unterstützen, Drohnen – und Technologie zur Abwehr feindlicher Drohnen – zu konstruieren, auszubauen und einzusetzen, um kritische Fähigkeitslücken in den teilnehmenden Ländern zu schließen.
- Integrated Maritime and Seabed Defence (IMSD): Mit diesem Vorhaben wird ein integriertes und interoperables Verteidigungssystem geschaffen, durch das die teilnehmenden Länder Bedrohungen auf See und auf dem Meeresboden erkennen, abwehren und darauf reagieren können.
- SPACE wird die Weltraumfähigkeiten Europas in mehreren kritischen Bereichen stärken. Dazu gehören Frühwarnsatelliten zur Erkennung von Raketenstarts, Satellitenkommunikation, Erkenntnisgewinnung, Überwachung und Aufklärung sowie präzise Ortungs- und Zeitgebungssysteme. Mit dem Vorhaben werden außerdem die Fähigkeiten für die Navigationskriegsführung und den raschen Start von Ersatzsatelliten bei Bedarf verbessert.
- EU Federated Integrated Air and Missile Defence including Early Warning (EU-FIAMD): Durch dieses Vorhaben gelangen die Mitgliedstaaten an eine kollektive und wirksame integrierte Luft- und Raketenabwehr, einschließlich Frühwarnung vor herannahenden Bedrohungen und koordinierter Befehlssysteme.
- Eastern Flank Watch (EFW) wird die Sicherheit entlang der Ostgrenze der teilnehmenden Länder an Land, in der Luft, auf See, im Cyberraum und in anderen Bereichen erhöhen, um ihr gesamtes Hoheitsgebiet zu schützen und so ihre Verteidigungsbereitschaft zu stärken.
Hintergrund
Am 16. Februar 2026 veröffentlichte die Kommission einen Aufruf zur Interessenbekundung mit dem Ziel, die EU-Mitgliedstaaten zur Bestimmung möglicher europäischer Verteidigungsvorhaben von gemeinsamem Interesse zu konsultieren. Es wurden neun Vorschläge für Vorhaben eingereicht. Am 3. Juli 2026 hat die Kommission, unter Berücksichtigung der Stellungnahme der Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik und der Europäischen Verteidigungsagentur, eine Liste mit fünf EDPCIs vorgeschlagen.
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Quelle: Rat der EU