Tagung des interministeriellen Ausschuss für nachhaltige öffentliche Beschaffung (IMA nöB)
Am 29. September 2026 fand im Bundesministerium des Innern (BMI) das 3. Stakeholder-Netzwerktreffen des Interministeriellen Ausschusses für nachhaltige öffentliche Beschaffung (IMA nöB) mit Kommunen, Ländern und dem Bund statt. Nach der Begrüßung durch die Abteilungsleiterin Z im BMI stand der intensive Austausch zwischen den circa 100 anwesenden Vertreterinnen und Vertretern aus Kommunen, Ländern und dem Bund im Mittelpunkt. Zu Beginn gaben der Vorsitz des IMA nöB (BMI und Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) ein Update zu den aktuellen Aktivitäten sowie zu den Auswirkungen der anstehenden Vergaberechtsnovellen auf die Nachhaltigkeit in der Beschaffungspraxis.
Zwischen Wertgrenzen und Wirtschaftlichkeit: Nachhaltigkeit im Beschaffungsalltag
In verschiedenen Break-Out-Sessions wurde aufgezeigt, wie Nachhaltigkeit konkret in der Verwaltung verankert werden kann. Ein Panel widmete sich dem Thema der Nachhaltigkeit in Direktaufträgen, nachdem einige Bundesländer sowie der Bund die Wertgrenzen dieser Auftragsart kürzlich angehoben haben. Gemeinsam mit der Stadt Dortmund, dem Finanzministerium NRW, dem BMWE und der Kompetenzstelle Faire Beschaffung, Berlin, wurde diskutiert, wie auch bei kleineren Volumina ökologische und soziale Kriterien effektiv Berücksichtigung finden können.
Parallel dazu fokussierten sich die Workshops auf handfeste Lösungen für den Verwaltungsalltag. Die AG Zirkuläre Beschaffung, vertreten durch das Öko-Institut e.V., stellte eine Hilfestellung zur Beschaffung gebrauchter und instandgesetzter Möbel vor, um die Kreislaufwirtschaft im Büroalltag zu fördern. Das Umweltbundesamt zeigte wiederum auf, wie die Monetarisierung von Umwelteffekten helfen kann, Umweltkosten bei Beschaffungen sichtbarer zu machen und so die Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zu erweitern.
Europäische Impulse und strategische Sicherheit: Ein Blick über die Grenzen
Die internationale Dimension der nachhaltigen Beschaffung wurde durch ein konkretes Praxisbeispiel deutlich, das verdeutlichte, wie europäische Förderungen Innovationen in der Verwaltung vorantreiben können. So zeigte die Freie Hansestadt Bremen im Rahmen der überregionalen Projekte Circular Shift und ChemClimCircle-2 auf, wie zirkuläre Beschaffung in der Praxis verbessert und wie insbesondere der Umgang mit Chemikalien im Einkauf optimiert werden kann. Ein wesentlicher Aspekt war hierbei auch die Entwicklung spezieller Fortbildungsformate, um die Kompetenzen der Beschaffenden direkt vor Ort zu stärken und den Wandel in der Verwaltung personell zu begleiten.
Impression aus dem Workshop
Neben diesen praktischen Ansätzen befasste sich ein weiteres Panel mit der strategischen Komponente der Resilienz. Gemeinsam mit der OECD, dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, der KNB und einer Fachanwältin für Vergaberecht wurde analysiert, wie kritische Abhängigkeiten in Lieferketten erkannt und abgebaut werden können. Dabei wurde auch auf ein Praxisbeispiel zur Beschaffung fairer Solarmodule eingegangen, bei dem das Bezirksamt auch unter Einholung eines rechtlichen Gutachtens intensiv Expertise aufgebaut hat. Ziel muss es sein, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die öffentliche Beschaffung widerstandsfähiger gegenüber globalen Krisen zu machen.
Nachwuchsförderung und digitale Transformation
Mit Blick auf das Programm lag daher ein besonderes Augenmerk auf der Zukunftsfähigkeit der Verwaltung. Passend dazu stellte das Entwicklungspolitische Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz (ELAN e.V.) ein Pilotprojekt vor, bei dem Studierende im dualen Studium in Tandems mit erfahrenen Mitarbeitenden konkrete Nachhaltigkeitsprojekte umsetzen. Dies verdeutlicht, dass die Vermittlung nachhaltiger Beschaffung bereits in der Ausbildung von Nachwuchskräften ansetzen muss.
Gleichzeitig diskutierte das Kompetenzzentrum Innovative Beschaffung (KOINNO) im Rahmen eines Workshops bestehende sowie benötigte KI-Möglichkeiten, die Beschaffungsprozesse erleichtern können. Dabei wurde auch die Plattform des „KOINNOvationsplatzes“ als unterstützendes Tool vorgestellt.
Die Ergebnisse des Treffens unterstreichen erneut, dass der Erfolg einer nachhaltigen öffentlichen Beschaffung vom engen Zusammenspiel aller Ebenen – vom Bund über die Länder bis hin zu den Kommunen – abhängt. Nur durch den kontinuierlichen Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Entwicklung von Standards kann eine zukunftsfähige und resiliente Verwaltung realisiert werden.
Weitere Informationen zum IMA nöB finden Sie hier.
Quelle: BMI