7 schnelle Fragen an… Dr. Stefan Schmidt

Mit unserem neuen Interview-Format „7 schnelle Fragen“ geben wir regelmäßig Einblicke in die Köpfe und Karrieren von Persönlichkeiten aus Vergabe und Beschaffung.Wir sprechen über fachliche Themen, persönliche Erfahrungen und darüber, was die Menschen in unserer Branche bewegt – kompakt und praxisnah. Dieses Mal im Interview: Dr. Stefan Schmidt. Er ist seit über vier Jahren im Vergabe- und Beschaffungswesen unterwegs und als Fachanwalt für Vergaberecht und IT-Recht bei abante Rechtsanwälte am Standort Leipzig tätig.

Lieber Herr Dr. Schmidt, wie sind Sie eigentlich zum Vergabe- & Beschaffungswesen gekommen – Zufall oder Plan?

Eher Zufall. In der juristischen Ausbildung haben mich stets die wettbewerblichen Fragestellungen besonders interessiert; im Kartellrecht habe ich auch promoviert. Das Vergaberecht war lange mein „weißer Fleck“ im GWB. Diesen konnte ich dann in der anwaltlichen Praxis schließen – und habe das Vergaberecht dabei zu schätzen und zunehmend lieben gelernt.

Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, eine Karriere im Vergabewesen anzustreben?

Das Vergaberecht ist eines der praxisnächsten Rechtsgebiete überhaupt. Man beschäftigt sich täglich mit sehr unterschiedlichen Beschaffungsvorhaben und schaut zwangsläufig über den juristischen Tellerrand hinaus. In der Beratung ist man nicht nur Jurist, sondern gestaltet Vergabeverfahren aktiv mit und trägt Verantwortung für deren Gelingen. Für mich ist es die richtige Mischung aus rechtlicher Analyse, Teamarbeit und Projektmanagement.

Wenn Sie eine Sache an der öffentlichen Beschaffung oder am Vergaberecht ändern könnten – welche wäre es?

Den Ruf. Das Vergaberecht wird noch immer häufig als Verhinderungsinstrument wahrgenommen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. In der strategischen Beratung erlebe ich regelmäßig anfängliche Skepsis, wenn das Ergebnis lautet, dass ein wettbewerbliches Verfahren erforderlich ist. Umso größer ist später oft das Erstaunen, wenn sich zeigt, dass gleichwertige Leistungen zu deutlich besseren Konditionen angeboten werden – oder sich völlig neue, innovative Lösungsansätze eröffnen, die ohne Wettbewerb verborgen geblieben wären.

Welche Innovation hat Ihren Arbeitsalltag zuletzt am meisten bereichert?

So spannend die Arbeit mit Large Language Models auch ist: In der hochindividualisierten Vergaberechtsberatung liefern sie derzeit kaum echten Mehrwert – anders mag das bei standardisierten Unterlagen aussehen. Ganz konkret hat meinen Arbeitsalltag zuletzt ein eInk-Tablet mit Schreibfunktion bereichert. Es hat meine Zettelwirtschaft drastisch reduziert und seither einen festen Platz auf meinem Schreibtisch erobert.

Welchen Tipp würden Sie jemandem geben, der frisch im Vergabe- und Beschaffungswesen startet?

Nur wer den Beschaffungsgegenstand wirklich versteht, kann eine marktgerechte und erfolgreiche Ausschreibung gestalten. Für die fachlich-inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Bedarf muss deshalb immer Zeit eingeplant werden.
Und als kleiner Praxistipp: In der Anlage zum Sächsischen Vergabegesetz findet sich ein sehr hilfreiches Prüfungsschema zur Angebotswertung. Spicken ist dort ausdrücklich erlaubt.

Abseits von Vergabe und Beschaffung: Was wäre Ihr zweitliebster Job?

Astronaut oder Fußballprofi. Rechtsanwalt im Vergaberecht hat nur ganz knapp gewonnen.

Was verbinden Sie mit dem Deutschen Vergabenetzwerk (DVNW)?

Einen fachlich sehr hochwertigen Austausch, exzellente Veranstaltungen [verlinken: https://portal.dvnw.de/kongresse-tagungen/ ] und Fortbildungen [verlinken: https://dvnw-akademie.de/?utm_source=owned_web&utm_medium=vergabeblog&utm_content=link-blog ] sowie den Dialog mit Praktikern aus Beratung, Verwaltung und Beschaffung – stets nah an den praktischen und rechtlichen Entwicklungen.

Vielen Dank, Herr Dr. Schmidt, für die offenen Einblicke und das spannende Gespräch!


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