7 schnelle Fragen an… Falk-Alexander Kuntze

ProfilfotoMit unserem Interview-Format „7 schnelle Fragen“ geben wir regelmäßig Einblicke in die Köpfe und Karrieren von Persönlichkeiten aus Vergabe und Beschaffung. Wir sprechen über fachliche Themen, persönliche Erfahrungen und darüber, was die Menschen in unserer Branche bewegt – kompakt und praxisnah. Dieses Mal im Interview: Falk-Alexander Kuntze. Er ist seit über 20 Jahren im Vergabe- und Beschaffungswesen unterwegs und als Leiter des Vergabemanagements im Bereich Einkauf und Interne Services bei der Toll Collect GmbH in Berlin tätig. Dabei beschäftigt er sich mit Vergaberecht und Vergabemanagement in allen Facetten.

Lieber Herr Kuntze, wie sind Sie eigentlich zum Vergabe- & Beschaffungswesen gekommen – Zufall oder Plan?

Kuntze: Das war ein selbst gewählter Zufall: Ich habe im Referendariat eine Zusatzqualifikation an der Philipps-Universität Marburg absolviert. Der für mich spannendste Teil war „Vergaberecht“ und mir war sofort klar, dass ich in diesem Bereich tätig sein wollte. Nach dem Start in der Anwaltschaft wechselte ich auf die Inhouse-Seite und bin ihr treu geblieben.

Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, eine Karriere im Vergabewesen anzustreben?

Kuntze: Das Vergabewesen ist strukturiert und komplex zugleich. Es lebt von gut ausgebildeten Spezialisten, die ihre Aufgabe in der Problemlösung sehen. Stets neue Rechtsfragen zu lösen ist ebenso erfüllend wie die Berücksichtigung von wirtschaftlichen, technischen und sozialen Belangen. Das bietet nicht jedes Rechtsgebiet. Es bereichert den Arbeitsalltag ungemein.

Wenn Sie eine Sache an der öffentlichen Beschaffung oder am Vergaberecht ändern könnten – welche wäre es?

Kuntze: Die aktuellen Bestrebung nach „Vereinfachung und Beschleunigung“ sind aus meiner Sicht gekennzeichnet von punktuellen Aufweichungen. Das führt zu mehr Rechtsunsicherheit. Das Vergabewesen braucht jedoch Vergabestellen, die sicher im Umgang mit dem Vergaberecht sind. Ich würde daher empfehlen, mehr auf die Praxis zu hören und das Recht bei der nächsten Reform wirklich zu vereinfachen.

Welche Innovation hat Ihren Arbeitsalltag zuletzt am meisten bereichert?

Kuntze: Die KI-gestützte Recherche, ob nach Entscheidungen oder nach Vergabeverfahren, erleichtert gerade in der Vorbereitungsphase enorm. Ich kann jeder Vergabestelle nur empfehlen, hier die Tools zu testen und zu vergleichen. Die Arbeitsqualität steigt, da man Zeit für die eigentlich interessanten Überlegungen zu Kriterien und Gewichtung gewinnt.

Welchen Tipp würden Sie jemandem geben, der frisch im Vergabe- und Beschaffungswesen startet?

Kuntze: Lassen Sie sich von der Vielzahl an Möglichkeiten und der Vielfalt an Themen verzaubern. In meiner langjährigen Praxis hattes jedes Vergabeverfahren seine Besonderheit, mal beim Auftraggeber, mal beim Leistungsgegenstand, mal beim angesprochenen Markt. Und sehen Sie die Bieter nicht als Gegner, das beginnt schon bei der Vergabekonzeption und der Beantwortung von Bieterfragen.

Abseits der Beschaffung: Was wäre Ihr zweitliebster Job?

Kuntze: Ich wäre vermutlich Mediator oder Schriftsteller, da ich dort ähnliche Fähigkeiten nutzen könnte wie im Vergabewesen. Das brückenbauende Aushandeln unterschiedlicher Interessenlagen begeistert mich ebenso wie geistreiche Texte. Und ja, manche Vergabeunterlage ist eine spannende Lektüre!

Was verbinden Sie mit dem Deutschen Vergabenetzwerk (DVNW)?

Kuntze: Das DVNW bietet ganzjährig einen fachlich sehr hochwertigen Austausch mit den Kolleg:innen aus der Praxis. Ich schätze das sehr. Dazu sind die praxisnahen Fortbildungen und das alljährliche „Klassentreffen“ auf dem Deutschen Vergabetag gute Ankerpunkte.

Vielen Dank, Herr Kuntze, für die offenen Einblicke und das spannende Gespräch!


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