
Mit unserem neuen Interview-Format „7 schnelle Fragen“ geben wir regelmäßig Einblicke in die Köpfe und Karrieren von Persönlichkeiten aus Vergabe und Beschaffung. Wir sprechen über fachliche Themen, persönliche Erfahrungen und darüber, was die Menschen in unserer Branche bewegt – kompakt und praxisnah. Dieses Mal im Interview: Anne Müller. Sie ist seit fünf Jahren im Vergabe- und Beschaffungswesen unterwegs und als Partnerin und Fachanwältin für Vergaberecht bei Leinemann & Partner Rechtsanwälte mbB in Berlin tätig.
Liebe Frau Müller, wie sind Sie eigentlich zum Vergabe- und Beschaffungswesen gekommen – Zufall oder Plan?
Während des Studiums war ich im Urheber- und Medienrecht tätig, jedoch wollte ich mich nach erfolgreichem Zweiten Staatsexamen umorientieren und fand rechtliche Sachverhalte mit einem technischen Einschlag schon immer spannend. So hatte ich überlegt, dass das Vergaberecht und private Baurecht für mich spannend sein könnten. Dem technischen Einschlag kann ich nun insbesondere im Vergaberecht treu bleiben, weil ich viele Projekte zur IT-Vergabe betreue. Insofern steckte wohl etwas mehr Plan als Zufall dahinter.
Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, eine Karriere im Vergabewesen anzustreben?
Ich konnte von Beginn an direkt in interessante, umfangreiche Projekte einsteigen. Der Mandantenkontakt war sofort da und ist oft auch sehr engmaschig, schließlich geht es in unserem Bereich meist um großvolumige Aufträge, die für die Unternehmen oder öffentliche Hand auf Auftraggeberseite, die ich vorrangig berate, bedeutende Investitionen darstellen und dort entsprechend hoch priorisiert sind. Außerdem sehe ich eine Sinnhaftigkeit darin, dass große Vorhaben ordnungsgemäß vergeben werden, dabei auf Wirtschaftlichkeit geachtet wird und gerade im Bereich Infrastruktur oder Gesundheitswesen einen großen Nutzen für unsere Gesellschaft bedeuten.
Wenn Sie eine Sache an der öffentlichen Beschaffung oder am Vergaberecht ändern könnten – welche wäre es?
Das Ausmaß an Bürokratie halte ich teilweise für zu groß. Hier würde ich mir manchmal etwas mehr Effizienz durch etwas geringeren Formalitäten-Anspruch wünschen. Natürlich müssen Formalia erfüllt und eingehalten werden, aber oft würde es meines Erachtens reichen, damit erst zu einem späteren Zeitpunkt die engere Auswahl an Bietern zu beschäftigen und nicht von Vornherein alle.
Welche Innovation hat Ihren Arbeitsalltag zuletzt am meisten bereichert?
Vermutlich wenig überraschend: Der, wenn auch gelegentliche, Einsatz von KI. Sie hilft mir insbesondere bei der Strukturierung und der Vereinfachung der Darstellung komplexer Sachverhalte oder der Vorbereitung von Vorträgen.
Welchen Tipp würden Sie jemandem geben, der frisch im Vergabe- und Beschaffungswesen startet?
Mir wurde sofort die Mitarbeit an Veröffentlichungen wie etwa in den VergabeNews, dem VergabeNavigator und weiteren Publikationen ermöglicht. Auch die Möglichkeit an Kongressen teilzunehmen und – dann mit mehr Berufserfahrung – Vorträge zu halten, ist für die vergaberechtliche Praxis und Profilschärfung wichtig. Mein Tipp wäre also: Nutzt die Chance und werdet sichtbar!
Abseits von Vergabe und Beschaffung: Was wäre Ihr zweitliebster Job?
Wenn ich nicht den schönsten Job der Welt – Anwältin zu sein – ausüben dürfte, würde ich vermutlich meiner zweiten Leidenschaft folgen: Innenarchitektur.
Was verbinden Sie mit dem Deutschen Vergabenetzwerk (DVNW)?
Den tollen fachlichen und persönlichen Austausch innerhalb der Vergaberechtsbranche, der sich durch Veranstaltungsformate wie dem Deutschen Vergabetag , dem IT-Vergabetag und vielen mehr, ergibt.
Vielen Dank, Frau Müller, für die offenen Einblicke und das spannende Gespräch!
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