Mit unserem Interview-Format „7 schnelle Fragen“ geben wir regelmäßig Einblicke in die Köpfe und Karrieren von Persönlichkeiten aus Vergabe und Beschaffung. Wir sprechen über fachliche Themen, persönliche Erfahrungen und darüber, was die Menschen in unserer Branche bewegt – kompakt und praxisnah. Dieses Mal im Interview: Elisabeth Bruhn. Sie ist seit über vier Jahren im Vergabe- und Beschaffungswesen unterwegs und als Referentin im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden tätig. Sie beschäftigt sich mit IT-Vergaben und der Gestaltung von Verträgen und begeistert sich außerdem für agile Transformation und Kulturwandel in der Verwaltung.
Liebe Frau Bruhn, wie sind Sie eigentlich zum Vergabe- & Beschaffungswesen gekommen – Zufall oder Plan?
Bruhn: Definitiv Zufall, aber ein sehr glücklicher, für den ich sehr dankbar bin! Ich habe im Rahmen eines Praktikums den Procurement-Officer unseres Teams bei kleineren Vergaben unterstützt und mir hat das geordnete, strukturierte, projektartige Vorgehen sehr gut gefallen. Als ich dann vor vier Jahren die Stelle im Beschaffungsreferat bei Destatis gesehen habe – damals auch noch schwerpunktmäßig als Single-Point-of-Contact für ein Registermodernisierungsprojekt – hatte ich direkt ein gutes Gefühl. Die Beschaffung von IT-Dienstleistungen ist so vielfältig, spannend und abwechslungsreich. Ich mag besonders, dass es wenig Routine gibt und man sehr viel Neues lernen kann.
Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, eine Karriere im Vergabewesen anzustreben?
Bruhn: Wir leben in herausfordernden, dynamischen Zeiten und in Beschaffungsstellen kann man eben maßgeblich zukunftsweisende Entscheidungen für unser Land treffen. Fast alles, was für eine schnelle und effiziente Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung benötigt wird, muss beschafft werden. Die Beschaffung hat somit unmittelbare Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit unseres Staates. Daran mitzuwirken und positiven Einfluss auf dringend benötigte Veränderungen zu nehmen, ist gesellschaftliche Verantwortung, die ich als Privileg empfinde. Wenn man gerne mit vielen verschiedenen Menschen zusammenarbeitet, Prozesse koordiniert und Pragmatismus mit juristischen Denkweisen vereinen kann, ist man in der Beschaffung gut aufgehoben. Gerade im IT-Bereich gibt es immer wieder neue Produkte, Innovationen und Lösungen – hier lernt man nie aus!
Wenn Sie eine Sache an der öffentlichen Beschaffung oder am Vergaberecht ändern könnten – welche wäre es?
Bruhn: Nicht unbedingt ändern, aber ich glaube, dass wir uns stark mit dem Spannungsfeld Vereinfachung und Senkung von Bürokratiekosten versus Einhaltung der Grundsätze der Vergabe, wie Wettbewerb und Gleichbehandlung, auseinandersetzen müssen.
Welche Innovation hat Ihren Arbeitsalltag zuletzt am meisten bereichert?
Bruhn: Ich finde das Tool KIPITZ für die Arbeit mit Texten eigentlich ganz cool. Hier kann ich mit Dokumenten chatten, Texte erstellen und diese umformulieren lassen.
Welchen Tipp würden Sie einer Person geben, die frisch im Vergabe- und Beschaffungswesen startet?
Bruhn: Also, neben den fachlichen Kenntnissen ist es meines Erachtens essenziell Menschen – also Fachbereiche und Bieter – da abzuholen, wo sie stehen. Die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, Kommunikationsgeschick und Durchhaltevermögen sind für mich Schlüsseleigenschaften. Mir hilft es immer, mir als Zielbild ein gemeinsames „Vergabe-Team“ mit dem Fachbereich vorzustellen. Wenn man neue Ideen einbringen möchte, hilft es ungemein, sich Gleichgesinnte zu suchen – Menschen in der Beschaffung bei sich im Haus, bei anderen Behörden – oder sich eben über Dialogkreise und Konferenzen zu vernetzen. Für mich auch ganz entscheidend ist, immer neugierig zu bleiben und im Blick zu behalten, wie sich Märkte und Produkte verändern.
Abseits der Beschaffung: Was wäre Ihr zweitliebster Job?
Bruhn: Ich habe in meinem Masterstudium intensiv zu Macht und Einflussnahme in autoritären Regimen in Ostafrika geforscht – die Zunahme und der Erfolg von autoritären Regimen weltweit lässt mich auch bis heute nicht los. Ich kann mir vorstellen, dass ich sonst dazu promoviert hätte und bei einer Stiftung als Länderexpertin arbeiten würde.
Was verbinden Sie mit dem Deutschen Vergabenetzwerk (DVNW)?
Bruhn: Ein Netzwerk, das viele kluge, mutige, innovative Köpfe aus der Verwaltung und Privatwirtschaft zusammenbringt. Es macht nicht nur total viel Spaß, sich auszutauschen und über den Tellerrand zu blicken, ich habe auch immer wertvolle Impulse für meinen eigenen Arbeitsalltag mitnehmen können.
Vielen Dank, Frau Bruhn, für die offenen Einblicke und das spannende Gespräch!
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