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Zitierangaben: Vergabeblog.de vom 22/07/2026 Nr. 74909

IT-Ausfall in Berlin: Warum digitale Resilienz ein Vergabethema ist

Ein größerer IT-Ausfall bei der Berliner Justiz hat erneut verdeutlicht, wie abhängig öffentliche Einrichtungen von stabilen digitalen Infrastrukturen sind. Zeitweise waren zentrale Arbeitsabläufe eingeschränkt, da Mitarbeitende nicht auf wesentliche IT-Systeme zugreifen konnten. Der Vorfall ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern wirft auch vergabe- und organisationsrechtliche Fragen auf: Wie können öffentliche Auftraggeber sicherstellen, dass beschaffte IT-Systeme dauerhaft verfügbar, ausfallsicher und nachhaltig betreibbar sind?

Hintergrund: Technische Störung beim ITDZ Berlin

Am 13. Juli 2026 kam es aufgrund einer technischen Störung der zentralen Betriebsumgebung des IT-Dienstleistungszentrums Berlin (ITDZ Berlin) in Einrichtungen der ordentlichen Gerichtsbarkeit zu erheblichen Einschränkungen. Gemeinsam mit dem Hersteller konnte als Ursache ein Software-Update identifiziert werden. Durch die Rücknahme des Updates wurden die aufgetretenen Anmeldeprobleme behoben.
Der Vorfall zeigt exemplarisch, welche Bedeutung stabile IT-Infrastrukturen für die Funktionsfähigkeit moderner Verwaltungen haben.

Digitale Souveränität als Teil moderner Beschaffung

Der IT-Ausfall in Berlin fügt sich in eine breitere Diskussion über digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung ein. Dabei geht es nicht um eine generelle Bevorzugung bestimmter Technologien, sondern um die Fähigkeit öffentlicher Stellen, ihre IT-Systeme kontrolliert, sicher und dauerhaft betreiben zu können.
Digitale Souveränität betrifft Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen. Sie setzt voraus, dass technische Abhängigkeiten erkannt, Risiken bewertet und vertragliche Regelungen für Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung getroffen werden.

Anforderungen an Vergabestellen und Bieter

Die Verantwortung für resiliente IT-Strukturen liegt nicht allein beim öffentlichen Auftraggeber. Auch IT-Dienstleister und Bieter müssen zunehmend nachweisen, wie sie Betriebssicherheit und Ausfallschutz gewährleisten.

Bereits im Vergabeverfahren können entsprechende Anforderungen eine zentrale Rolle spielen. Bieter müssen sich darauf einstellen, dass Auftraggeber neben der technischen Leistungsfähigkeit verstärkt Nachweise zu folgenden Punkten erwarten:

– Sicherheits- und Betriebskonzepte,
– Verfahren für Updates und Änderungen an produktiven Systemen,
– Reaktions- und Wiederherstellungszeiten,
– Eskalations- und Kommunikationsprozesse bei Störungen,
– Erfahrungen mit vergleichbaren kritischen IT-Umgebungen.

Insbesondere bei langfristigen IT-Verträgen wird die Fähigkeit zum stabilen Betrieb über die gesamte Vertragslaufzeit zu einem wesentlichen Qualitätsmerkmal.

Folgen für die Vergabepraxis

Der Berliner IT-Ausfall zeigt: Resilienz, Sicherheit und langfristige Betriebsfähigkeit müssen zentrale Kriterien moderner IT-Vergaben sein. Die Stabilität digitaler Verwaltungsinfrastrukturen wird zunehmend somit zu einer Frage der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Für Vergabestellen bedeutet dies, Anforderungen an digitale Widerstandsfähigkeit frühzeitig festzulegen. Für Bieter entsteht die Aufgabe, diese Anforderungen durch belastbare Konzepte und nachweisbare Betriebskompetenz zu erfüllen.

Quelle: Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz

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